Freitag, 13. November 2015

Preiträger postpoetry.NRW 2015

Thomas Kade wurde 1955 in Halle (DDR) geboren. Er zog 1961 mit seiner Familie ins Ruhrgebiet, wo er seit 1980 in Dortmund lebt und arbeitet. Er veröffentlicht insbesondere Lyrik. Zuletzt erschien in der Reihe "roterfadenlyrik" (EditionHausNottbeck) „Körper Flüchtigkeiten“. Ausgezeichnet wurde seine literarische Arbeit u. a. durch Stipendien der Kunststiftung und des Landes NRW. 


Laudatio der Jury
Die übermäßige, schwärmerische Verehrung, das „Anhimmeln“ eines Idols, eines Vorbilds, einer Geliebten oder eines Geliebten – das geht in Gedichten meistens schief, führt zu lyrischem Überschwang ohne Substanz. Im Gedicht von Thomas Kade entwickelt das Wort „anhimmeln“ eine neue semantische Strahlung, eine große Verstörungskraft. Denn sein Text führt in den engsten Raum, in eine Zelle, an einen Ort, wo die Luft knapp wird und der Atem stockt und die Wörter und das Sprechen kaum Platz haben zur Entfaltung. „Angehimmelt“ wird „die Stelle“, „angehimmelt“ wird auch „die Stille“, ein „heller Fleck“. Ein Ort der Enge, von dem aber zugleich Helligkeit ausgeht, ein Ort, der eine Aura hat, ein Ort, an dem jemand anwesend war, den man nicht mit einem Stein, sondern mit einem Stern bewerfen will.

Mit einem lyrischen Verfahren konzentrierter Engführung, mit einer kaleidoskopischen Verknüpfung der Wörter und virtuosem Sprachspiel schickt uns Thomas Kade seine „Zellmitteilung“. 

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