Freitag, 24. Januar 2020

Von, mit, durch oder für Lyrik leben? Lesung und Gespäch mit Josephine Kullat und Johanna Hansen in der Stadtteilbibliothek Dortmund-Scharnhorst



Am 22. Januar 2020 waren zwei der diesjährigen PreisträgerInnen des Wettbewerbs postpoetry.NRW zu Gast in Dortmund-Scharnhorst und lasen vor circa 90 Schülerinnen und Schülern der Albert-Einstein-Realschule.   

Josephine Kullat, die abwechselnd in Essen und Ostfriesland aufwuchs und heute in Düsseldorf Psychologie studiert, las nicht nur ihr Preisgedicht „Vater“, sondern weitere Texte, in denen der bittere „Nachgeschmack der Kindheit“ und das Leben „Unterm Schutt(z) der Sozialisation“ eine Rolle spielten. Sicher sprach sie von  Verunsicherungen, las von „Selbstfindung“  und „Selbsterfindung“, von Liebe und Sehnsucht und auch von der Unfähigkeit zu lieben und den Schatten, die bleiben.


Auch Lyrikerin Johanna Hansen aus Düsseldorf wandte sich in ihren Texten der Kindheit und dem Aufwachsen am Niederrhein zu. Sie erinnerte sich an den „roten Schienenbus“, der die Flucht, ja den Abschied aus der Kindheit möglich zu machen schien. Auch das innere Verschwinden spielte im Deklinieren der Fluchtmomente eine Rolle: „sobald ich den blick auf endlos stelle, bin ich die vielen flugversuche darin, der schleudergang. der luftzug. der die kellertür klappen ließ“. Ins Gedächtnis und in die Gedichte fanden die Hochwasser am Niederrhein, die Sonntage, an denen "anna", die Großmutter, „die hände hochgeschlossen über die sorgen wie über frisch gebügelte erde“ trug.  

Thorsten Trelenberg, Moderator des Morgens, versuchte u.a. die unterschiedlichen Entstehungsbedingungen der Gedichte und Arbeitsmethoden der Autorinnen herauszufinden. Einprägsam beschrieb Johanna Hansen, die nicht nur mit Sprache arbeitet, sondern auch als bildende Künstlerin mit Farbe und schließlich in der von ihr herausgegebenen Literaturzeitschrift „Wortschau“ Bild und Sprache zusammenbringt,  dass die verschiedenen Künste für sie alle Teil einer Wohnung seien. Wenn die eine Sprache im Erfassen nicht weitertrage, wechsele sie den Raum und versuche es in der anderen.  

Ob man von der Lyrik leben könne, fragte  der Moderator.

„Nicht von der Lyrik“, lächelte Johanna Hansen, „ sondern für die Lyrik“.

 Erst nach der Lesung in kleiner Runde oder im Zwiegespräch trauten sich die Schülerinnen und Schüler ihre Fragen zu formulieren. „Wie groß sind Sie eigentlich, Frau Kullat?“, wollte ein Mädchen wissen, „Was ist Fleischnikotin?“, fragte sie ein Junge. Und „Wie machen Sie das überhaupt mit dem Schreiben“, wandte sich ein dritter an Johanna Hansen.

Sonntag, 12. Januar 2020

Schriftsteller und Mitbegründer der Gesellschaft für Literatur in NRW e.V. Josef Reding starb am 10. Januar 2020 in Dortmund


Als ich in diesem Jahr einer 95jährigen Dame Weihnachtsgrüße schicken wollte - sie hatte sich Geschenke ausdrücklich verbeten - überlegte ich, was ich ihr schreiben könnte. Sie hatte ein schweres Jahr hinter sich, in dem ihre Tochter, die sich bislang um sie kümmerte, selbst erkrankt war. Es sah so aus, als ob dieses Weihnachtsfest gänzlich anders verlaufen sollte als die vielen Jahre zuvor. Ich wollte ihr gute Worte schenken und überlegte, dass ich sicherlich bei Josef Reding fündig werden würde. So schlug ich seinen Band „Kein Platz in kostbaren Krippen auf“ und wählte keine Kurzgeschichte aus, sondern den Schlussteil: „Statt eines Nachworts: Lebte Jesus nur ein paar Stunden?“

Freitag, 13. Dezember 2019

Lesung der Preisträger*innen am 31.03.2020 in Monheim am Rhein: Harald Kappel und Meike Wanner




Harald Kappel (*1960) aus Herzogenrath bei Aachen, ist praktizierender Arzt. Er studierte Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt "Kreatives Schreiben" an der RWTH-Aachen und leitet kreative Schreibkurse. Seine Lesungen führen ihn durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Er ist Mitglied der Aachener Künstlergruppe „AKD-Kunstdialog“ mit zahlreichen Ausstellungen, in denen er

Lesung der Preisträger*innen am 05.03.2020 in Dortmund: Thomas Kade und Michelle Giering


Thomas Kade, geboren 1955 in Halle (DDR), lebt seit 1961 im Ruhrgebiet und 1980 in Dortmund. 1983 erschienen seine ersten eigenständigen Lyrikveröffentlichungen.  U.a. erschienen folgende Titel: „Landschaft mit Stehgeiger“, „Die Augen beim Lieben“, „Fernabfrage“, „Körper Flüchtigkeiten“.  

Lesung der Preisträgerinnen am 31.01. in Bielefeld: Marion Gay und Lisa Polster


Die aus Hamm/Westfalen stammende Marion Gay (Pseudonyme: Mara Park und Marion Kortsteger) lebt seit 2002 als freie Autorin, Kritikerin und Dozentin. Veröffentlicht hat sie bisher insbesondere Prosa, bspw. zuletzt den Thriller „Dunkle Wolken“ (Piper 2018), „Romy Schneider starb kurz vor Haarlem“- Erzählungen

Lesung der Preisträgerinnen am 23.01.2020 in Bonn: Ingeborg Brenne-Markner und Karoline Marliani


Ingeborg Brenne-Markner, gebürtig aus Menden (Sauerland), lebt heute in Bonn. Die studierte Germanistin (weitere Fächer Philosophie, Altphilologie und Pädagogik) ist in der Erwachsenenbildung tätig. 2013 erschien ihr erster Gedichtband „Vor der Nacht“, 2018 folgte „die langen tage“. Mit der Autorinnengruppe „Schellack“, deren Gründungsmitglied sie ist, tritt sie insbesondere im Raum Köln/Bonn mit

Lesung der Preisträgerinnen am 22.01.2020 in Dortmund: Johanna Hansen und Josephine Kullat


Johanna Hansen wuchs am Niederrhein auf und studierte später Germanistik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm- Universität Bonn (1. und 2. Staatsexamen). Zunächst war sie als Journalistin und Lehrerin tätig