Donnerstag, 9. Februar 2017

Worträtsel - ohne Gewicht

Zur Lesung von Thang Toan Nguyen und Ingeborg Brenne-Markner in der Stadtbibliothek Solingen. 

Ingeborg Brenner-Markner, Thang Toan Nguyen

 Unverkennbar zeigt das Foto, dass die dritte postpoetry-Lesung 2017 ins Bergische Land nach Solingen führte, um genau zu sein in die hiesige Stadtbibliothek, mit der das Projekt mittlerweile durch eine Reihe von Veranstaltungen verbunden ist.
Für Nachwuchsautor Thang Toan Nguyen war es ein Heimspiel, da er 1997 in Solingen geboren ist und dort lebt. Die aus Sankt Augustin kommende Ingeborg Brenner-Markner dagegen musste einen frühen Start in den Tag tun, um pünktlich mit  öffentlichen Verkehrsmitteln in Solingen einzutreffen.  

Thang, der im November 2016 im postpoetry-Wettbewerb mit seinem Gedicht „Kreuzworträtsel“ nicht nur einen Nachwuchs-, sondern auch den Publikumspreis zugesprochen bekam, gab nach seiner Lesung Einblick in seine Textwerkstatt. Oft geht er vom Wortmaterial aus und arbeitet mit Bedeutungssegmenten eines Begriffs. Kaum glaubt der Leser/die Leserin sich in der Lösung einer Spannung zu befinden und auf eine Harmonie zuzusteuern, vollzieht sein Text eine Kippfigur, treibt ins Gegenteil und macht alle Erwartungen zunichte.  

Einen ganz anderen Zugang zur Lyrik findet Ingeborg Brenner-Markner. Sie scheint von Beobachtungen, Augenblicken auszugehen, obwohl, wie sie betont, die Texte durchaus nicht autobiografisch gefärbt sind. Programmatisch heißt der Titel ihres Preistextes „ohne gewicht“ und diese Leichtigkeit ist es, die ihre Gedichte, die sie in Solingen las, insgesamt auszeichnen. Sie scheint mehr eine Lyrikerin des Glücks zu sein als der Sehnsucht, des Traums und der Wirklichkeit zugleich, eine realitätsbezogene Romantikerin, die die Dinge aufspürt und zugleich hinter den Dingen zu entdecken weiß.
So entpuppt sich der Titel „kein gedicht“ als ein Gedicht, nämlich über einen „Honigbrottag“, fast zu schön, um über ihn ein Gedicht zu schreiben. Aber vielleicht ist diese vordergründige Deutung gänzlich falsch und der Tag selbst reine Fiktion seiner Autorin, die ihn sich erfindet…
Zur Lesung gekommen waren circa 40 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Schwertstraße, an dem Thang Toan Nguyen im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht hat. Unter den jungen Zuhörern saßen auch einige, die - wie er in der Vergangenheit - heute im Rahmen der Begabtenförderung an einer Schreibwerkstatt der Schule teilnehmen. Das Interesse der jungen Gäste, die von Herrn Margard begleitet wurden, galt verständlicherweise besonders den Texten des ehemaligen Mitschülers, der von ihnen ausdrücklich gelobt wurde.
Mag sein, dass Thang  den ein oder anderen angeregt hat, an der diesjährigen Ausschreibung von postpoetry.NRW 2017, die im Sommer veröffentlicht wird, teilzunehmen. Und vielleicht sind wir dann noch ein weiteres Mal zu Gast in der Stadtbibliothek Solingen? Wer weiß? Postpoetry ist gespannt.





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