Samstag, 19. November 2016

Preistexte 2016 in der Kategorie Lyrikerinnen und Lyriker NRW: Sebastian Polmans


















Laudatio zu Sebastian Polmans Gedicht „wie regen entsteht“
Sebastian Polmans Gedicht „wie regen entsteht“ ist dem weiten Feld der Naturlyrik zuzurechnen. Im Titel kündigt er an, dass er das Zustandekommen eines Phänomens dieser Welt ergründen oder sogar erklären wird. Wie auch sonst im Fall von Gedichten hat es dieser lyrische Versuch zur Erläuterung verborgener und komplexer Zusammenhänge jedoch in sich. Denn keinesfalls dürfen wir erwarten, dass uns das zu untersuchende Phänomen vermittels linearer Erklärungssprache nahegebracht wird. Das Gedicht, jedes Gedicht, wenn es wie dieses gelungen ist, schafft Verständniszugänge, die über eine kognitive Aneignung hinausgehen. ... Bitte unter Weiterlesen klicken

So wird auch hier unser Verstehen ein anderes sein, das deuten bereits die ersten Verben an: „basteln“, „schlafen“ und „tummeln“ – so kann nur im Gedicht zielführendes Handeln beginnen. Mit einer Geste des Vertrauens lädt das Gedicht uns ein, ihm und seinen eigenwilligen Erläuterungen zu folgen: „schlafen … mit offenen händen“. Das scheint eine gute Voraussetzung, um auf erste Hinweise zu stoßen: Gesehenes „dient“, „erinnert an“, „beginnt“ und „wächst“. Wir sehen „walnüsse“, „schmelzbäche“ und „kleiber“ und erkennen, dass es um „neues“, um „wurzel“ und „aufbrechen“ geht. Und nur im Gedicht kann am Ende gelten, dass „bleiben“ und „aufbrechen“ eins sind. Wenn wir uns diesem Gedicht anvertrauen, werden die Erklärungen sein, wie von Sebastian Polman berückend und bildhaft dargestellt: „vielfältig“ und „einfach“ zugleich. Wir entdecken eine Entstehungs-Geschichte, die über das alltägliche Verstehen hinausgeht.

Mathias Jeschke


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