Montag, 27. Januar 2014

postpoetry zu Gast in Düsseldorf, 11. Februar 2014

Apokalypsen und „Urbex/-Street-Lyrik“ in der Zentralbibliothek Düsseldorf

Viele thematische Anknüpfungspunkte und große formale Differenzen zeigten sich in den literarischen Texten von Lisa Möller und Anke Glasmacher, Preisträger im Wettbewerb postpoetry.NRW, die heute zu Gast in Düsseldorf waren.

Der äußerst verknappten Lyrik von Anke Glasmacher spürt man die Nähe zur Fotografie an, zu Schnappschüssen von städtischen Räumen, wie sie von Fotografen der „Urban Exploration“, kurz „Urbex“ genannt, besonders an „verlorenen Orten“ gemacht werden. Gerade in Berlin, wo die gebürtige Nordrhein-Westfälin viele Jahre wohnte und arbeitete, hatte sie Gelegenheit die Entwicklung von verlassenen Gebäuden, Industriebrachen und ihre Zurückeroberung durch die Natur zu beobachten. 

Lisa Möller, Nachwuchspreisträgerin, die zudem den Publikumspreis 2013 erhielt, trug Lyrik und Prosa, getragen von Endzeitstimmung vor. „CH4 methanhydrat“ ist in ihrem Preisträgertext ein besonderer Stoff, aus dem die Albträume gemacht sind. „Dabei habe ich von Chemie gar keine Ahnung“, sagte sie. „Der Schwarm von Frank Schätzing hat mich drauf gebracht.“ Sie berichtete über ihren Weg zum Schreiben und der Suche eines passenden Studiengangs, den sie schließlich in Hildesheim („Kreatives Schreiben und Kulturjounalismus“) fand.

Dass Jürgen Nendza nicht nur ein kenntnisreicher, sensibler Spachartist ist, sondern „Poesiebotschafter“ mit einem guten Gespür für die Bedürfnisse und Fragen junger Menschen, zeigte sich in seiner umsichtigen Moderation.
Neben Gästen aus Düsseldorf und Neuss besuchte nämlich ein Deutsch-Leistungskurs  aus Gerresheim (Marie-Curie-Gymnasium) die Veranstaltung.  Unter den Schülerinnen und Schülern waren, wie sich im Gespräch zeigte, eine Reihe selbst Schreibender.

Die Besucher nahmen verstörende und zugleich neue Horizonte öffnende Bilder mit, vom „schal/aus roter seide“, der über den Horizont gelegt wird und „an beiden enden“ gleichmäßig gezogen dafür sorgt, dass die Nacht „blau/anlief“ (Anke Glasmacher), von Flamingos als „Verbrecher im Sonntagsanzug“ und Gedanken, die sich ins Gehirn „wie Holzwürmer in eine Spanplatte“ fressen (Lisa Möller).


Eine rundum gelungene Veranstaltung. Denglisch könnte man von „Lyrics Exploration“, kurz „Lyrex“ sprechen.




























Am 11. Februar, 10.30 Uhr, ist postpoetry.NRW auf Einladung des Heinrich-Heine-Instituts und der Stadtbüchereien Düsseldorf in der Zentralbibliothek zu Gast mit zwei der insgesamt zehn Preisträger des Jahres 2013: der Lyrikerin Anke Glasmacher (Köln) und der Nachwuchsautorin Lisa Möller (Leverkusen/Hildesheim).


Die 1969 in Bensberg geborene Anke Glasmacher lebt heute nach längerem Aufenthalt in Berlin in Köln. Sie schreibt und veröffentlicht Kurzprosa und Lyrik. 2002 erschien ihr erster Lyrikband  „Sprachbuch“. Die Autorin ist Mitglied im Kölner Literaturatelier.  Mit ihrem Preisträgertext „Ende des Winters“ gibt sie, so die Jury, der Gattung Naturlyrik neue Impulse.

Die Nachwuchsautorin 
Lisa Möller, 1992 in Leverkusen geboren, studiert in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Sie erhielt für ihr apokalyptisches Gedicht „Brennendes Eis“ zusätzlich zum Nachwuchspreis den postpoetry-Publikumspreis 2013. An ihrem Preisgedicht  hebt die Jury das Beklemmende und die emotionale Stärke eines im paradoxen Kontrast von chemischen Prozessen und biblischen Zitaten gestalteten Textes hervor.

Moderiert wird die Lesung vom vielfach ausgezeichneten Aachener Lyriker Jürgen Nendza, der u. a. Preisträger des renommierten Lyrikpreises Meran ist.


Zentralbibliothek Düsseldorf, 11.02.2014, 10.30 Uhr, Bertha-von-Suttnerplatz 1, 40227 Düsseldorf, 10.30 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar posten