Auch in diesem Jahr ist es möglich, auf das vergangene Postpoetry-Jahr als Ganzes zurückzublicken. Viel Freude beim Blättern und Lesen!
https://www.magentacloud.de/lnk/NlCoFgbHMittwoch, 8. Juli 2020
Lesungen der Preisträger
Die letzten Lesungen der PreisträgerInnen des Jahres 2019 konnten aufgrund der Corona-Pandemie nicht live und zusammen mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden. Stattdessen lasen Meike Wanner und Harald Kappel für das Publikum des Ulla-Hahn-Hauses und andere Interessierte via Internet auf dem facebook-Kanal des UHH eine Premieren-Lesung. Sie sprachen über ihr Schreiben und darüber, was ihnen dabei besonders wichtig ist.
Freitag, 6. März 2020
Und plötzlich machen Gedichte wieder Freude
Preisträger des Landeswettbewerbs postpoetry.NRW zu Gast in der Stadtteilbibliothek Dortmund-Huckarde
![]() |
| Monika Littau und Thomas Kade (c) H.-D. Koch |
Kinder
lieben Gedichte und Abzählreime. Jugendliche lieben die „Lyrics“ ihrer Songs. Aber
Schülerinnen und Schüler entwickeln irgendwann Angst vor Gedichten. Vermutlich beginnt
dieser Prozess dann, wenn es darum geht, die Frage zu beantworten: „Was will
der Autor oder die Autorin mit diesem Text sagen? Was ist die Botschaft?“ Wie
muss der Text richtig interpretiert werden?
Wenn
Schülerinnen und Schüler jedoch Lyrikerinnen und Lyriker befragen können, was sie
mit ihrem Text gemeint haben, macht das interpretieren wieder Freude. Und genau
das geschah am Donnerstag, den 5. März, in der Stadtteilbibliothek Huckarde.
Ein
Deutschkurs (Jgst. 11) von Frau Ulbryck (Gustav-Heinemann-Gesamtschule), der sich
gerade mit dem Thema Lyrik beschäftigt, war zur postpoetry.NRW-Lesung in die
Bibliothek gekommen. Er hatte bereits zuvor eine Stunde lang kontrovers über
zwei Gedichte diskutiert, die ihm als Lyrik-Postkarten übergeben worden waren.
Es handelte sich um die Preistexte der Nachwuchsautorin Michelle Giering (Jg.
2000) und des Dortmunder Lyrikers Thomas Kade. Der Landeswettbewerb postpoetry prämiert
nämlich sowohl Texte ganz junger AutorInnen als auch gestandener LyrikerInnen
und schickt die Verfasser im Tandem auf Lesereise durch NRW.
Obwohl
die Nachwuchsautorin leider erkrankt war, konnte die von Monika Littau
moderierte Debatte über Gierings Text „Erdnussbuttertage“ u. a. mit Hilfe der
Erläuterungen der Jury fortgeführt werden. Thomas Kade aber wurde direkt zu
seinem Gedicht „zum Himmel“ befragt. „Kann es sein, dass die Waage, in der sich
der Himmel auf einem Müllcontainer für Altkleider spiegelt, defekt ist“? „Geht
es um das Verhältnis von Himmel und Erde“? „Geht es darum, was Bedeutung und
Gewicht hat im Leben“? Thomas Kade staunte gelegentlich über die Anmerkungen
und Überlegungen der jungen Leserinnen und Leser. Er bestätigte manche Hypothesen,
gab aber auch zu, dass er beim Schreiben an einzelne Aspekte, die genannt
wurden, nicht gedacht habe. „Manchmal ist der Text, der entsteht, schlauer als
sein Verfasser“, lächelte er.
Interessant
war der Blick in die Textwerkstatt des Dortmunder Autors, der nicht nur seine Beobachtungen
in Notizheften sammelt, sondern auch fremde Zettel, die er beispielsweise in
einem Einkaufswagen findet. Sie können ebenso wie Nachrichten, eine Fernsehsendung
oder ein Geräusch Ausgangspunkt eines Gedichts werden.
Donnerstag, 6. Februar 2020
Wie eine Autorin ihr eigenes Gedicht interpretiert: postpoetry-Lesung in Bielefeld
Gerrit Wustmann (Moderator) und Marion Gay, Lyrikerin NRW
sowie die Schülerinnen und Schüler der GS Rosenhöhe, Bielefeld
|
Am
Freitagmorgen, den 31.1.2020, machte postpoetry.NRW Halt in der Stadtbibliothek
Bielefeld. Vor einer 11. Jahrgangsstufe mit 85 Schülerinnen und Schülern sprachen Moderator Gerrit Wustmann und
Preisträgerin Marion Gay über Lyrik, Literatur und das Schreiben und trugen
Gedichte vor – auch jene von Nachwuchspreisträgerin Lisa Polster, die aus
gesundheitlichen Gründen leider nicht anwesend sein konnte. Die Schülerinnen
und Schüler der Gesamtschule Rosenhöhe, begleitet von ihrer Lehrerin Frau Löwenstein, beteiligten sich rege am offenen Austausch und stellten zahlreiche
Fragen. So wollten sie beispielsweise wissen, wie lange es dauert, einen Roman
zu schreiben und wie man mit Kritik seitens der Presse umgeht.
Preisträgerin Marion Gay aus Hamm wechselte die Rollen und überlegte, wie sie ihr eigenes Gedicht interpretieren
würde, würde man es ihr im Deutschunterricht vorlegen.
Ein spannendes Unternehmen.
Fotos oben: Marion Gay stellte nicht nur ihre Texte, sondern auch ihre Skizzenbücher vor.
Dienstag, 28. Januar 2020
Zum Beispiel "Großmütter" im Gedicht...Zur Lesung von Karoline Marliani und Ingeborg Brenne-Markner in der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Bonn am 23. Januar 2020
Es
war ein Zufall, dass die zwei Postpoetry-Jurys 2019 zwei Gedichte auswählten,
die Großmütter in den Mittelpunkt des Erinnerns stellen. Und es war in gewisser
Weise ein weiterer Zufall, dass die beiden Verfasserinnen dieser Texte gemeinsam
an einer Lesung mitwirkten. Ingeborg Brenne-Markners Gedicht heißt „in
großmutters sommer“, der Text von Nachwuchsautorin Karoline Marliani
„Kinderreue“.
Obwohl beide Texte also ein ähnliches Sujet haben, nähern sie sich ganz unterschiedlich ihrer Hauptperson. Das stellten auch die Oberstufenschülerinnen und -schüler der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bonn Bad Godesberg fest, wo nun die von Simone Scharbert moderierte Lesung der Preisträgerinnen stattfand. Rege beteiligten sie sich mit ihren vielen Fragen am Geschehen dieses Morgens. „Warum wechseln die Zeiten in Ihrem Gedicht?“, wollte eine Schülerin wissen.
Das
eine, erklärte Lyrikerin Brenne-Markner, sei das vergangene Geschehen, das
andere die Erinnerung und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart. Auch nach dem
Tod der Großmutter und dem Ende der Kinderzeit blieben nicht nur die Trauer,
sondern auch das Schöne im Gedächtnis, beispielsweise der Himbeersirupduft,
beispielsweise die Leichtigkeit der Federkugeln des Löwenzahns. Genau diese Qualität hatte
auch die Jury bei ihrer Textauswahl hervorgehoben: „…der Textraum des Gedichts
(vermag) auf beglückende Weise beides zu bergen: das Glück und den Verlust.“
Ganz anders war der Zugriff
auf das Großmutterthema von Karoline Marliani. Sie griff in ihrem kurzen
Gedicht eine kleine Szene auf, in der die Großmutter versehendlich das
Enkelkind an einer mit Schnodder verschmierten Stelle küsst. „SCHMACK“. Das
Kind fühlt sich unwohl, ja schuldig für diese Situation. Für Marliani spielen
Reim und Rhythmus ihrer Texte eine herausragende Rolle. Das – so erklärte sie
den Schülerinnen und Schüler – komme daher, dass sie von früh auf Musik gemacht
habe und Gedichte seien eben auch eine Form von Musik. Außer Lyrik schreibt die
junge Autorin, die derzeit in Köln studiert, auch Prosa, u. z. „Dark Fantasy“.
Nach fünf Jahren sei ihr erster Roman nun endlich fertig gestellt. Das
Schreiben sei für sie immer wichtig gewesen. Sie habe schon Geschichten
diktiert, ehe sie überhaupt die Buchstaben erlernt habe.
Obwohl beide Texte also ein ähnliches Sujet haben, nähern sie sich ganz unterschiedlich ihrer Hauptperson. Das stellten auch die Oberstufenschülerinnen und -schüler der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bonn Bad Godesberg fest, wo nun die von Simone Scharbert moderierte Lesung der Preisträgerinnen stattfand. Rege beteiligten sie sich mit ihren vielen Fragen am Geschehen dieses Morgens. „Warum wechseln die Zeiten in Ihrem Gedicht?“, wollte eine Schülerin wissen.
Das
eine, erklärte Lyrikerin Brenne-Markner, sei das vergangene Geschehen, das
andere die Erinnerung und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart. Auch nach dem
Tod der Großmutter und dem Ende der Kinderzeit blieben nicht nur die Trauer,
sondern auch das Schöne im Gedächtnis, beispielsweise der Himbeersirupduft,
beispielsweise die Leichtigkeit der Federkugeln des Löwenzahns. Genau diese Qualität hatte
auch die Jury bei ihrer Textauswahl hervorgehoben: „…der Textraum des Gedichts
(vermag) auf beglückende Weise beides zu bergen: das Glück und den Verlust.“
Ganz anders war der Zugriff
auf das Großmutterthema von Karoline Marliani. Sie griff in ihrem kurzen
Gedicht eine kleine Szene auf, in der die Großmutter versehendlich das
Enkelkind an einer mit Schnodder verschmierten Stelle küsst. „SCHMACK“. Das
Kind fühlt sich unwohl, ja schuldig für diese Situation. Für Marliani spielen
Reim und Rhythmus ihrer Texte eine herausragende Rolle. Das – so erklärte sie
den Schülerinnen und Schüler – komme daher, dass sie von früh auf Musik gemacht
habe und Gedichte seien eben auch eine Form von Musik. Außer Lyrik schreibt die
junge Autorin, die derzeit in Köln studiert, auch Prosa, u. z. „Dark Fantasy“.
Nach fünf Jahren sei ihr erster Roman nun endlich fertig gestellt. Das
Schreiben sei für sie immer wichtig gewesen. Sie habe schon Geschichten
diktiert, ehe sie überhaupt die Buchstaben erlernt habe.
Durch den lebendigen Morgen
führte Autorin und Lyrikerin Simone Scharbert, die u. a. Lyrik an der
Universität Köln unterrichtet. Sie wusste die Schülerinnen und Schüler
wunderbar ins Geschehen einzubinden. Es war ein Morgen „ohne Gewicht“ (I.
Brenne-Markner in einem Gedicht), der zugleich sehr gewichtig war, führte der
doch an Schreibweisen von
Gegenwartslyrik und Ansatzpunkte des Verstehens heran.
Freitag, 24. Januar 2020
Von, mit, durch oder für Lyrik leben? Lesung und Gespäch mit Josephine Kullat und Johanna Hansen in der Stadtteilbibliothek Dortmund-Scharnhorst
Am
22. Januar 2020 waren zwei der diesjährigen PreisträgerInnen des Wettbewerbs
postpoetry.NRW zu Gast in Dortmund-Scharnhorst und lasen vor circa 90
Schülerinnen und Schülern der Albert-Einstein-Realschule.
Josephine Kullat,
die abwechselnd in Essen und Ostfriesland aufwuchs und heute in Düsseldorf
Psychologie studiert, las nicht nur ihr Preisgedicht „Vater“, sondern weitere
Texte, in denen der bittere „Nachgeschmack der Kindheit“ und das Leben „Unterm
Schutt(z) der Sozialisation“ eine Rolle spielten. Sicher sprach sie von Verunsicherungen, las von „Selbstfindung“ und „Selbsterfindung“, von Liebe und Sehnsucht
und auch von der Unfähigkeit zu lieben und den Schatten, die bleiben.
Thorsten
Trelenberg, Moderator des Morgens, versuchte u.a. die unterschiedlichen Entstehungsbedingungen
der Gedichte und Arbeitsmethoden der Autorinnen herauszufinden. Einprägsam beschrieb
Johanna Hansen, die nicht nur mit Sprache arbeitet, sondern auch als bildende
Künstlerin mit Farbe und schließlich in der von ihr herausgegebenen Literaturzeitschrift
„Wortschau“ Bild und Sprache zusammenbringt, dass die verschiedenen Künste für sie alle Teil einer
Wohnung seien. Wenn die eine Sprache im Erfassen nicht weitertrage, wechsele
sie den Raum und versuche es in der anderen.
Ob
man von der Lyrik leben könne, fragte der Moderator.
„Nicht
von der Lyrik“, lächelte Johanna Hansen, „ sondern für die Lyrik“.
Erst
nach der Lesung in kleiner Runde oder im Zwiegespräch trauten sich die
Schülerinnen und Schüler ihre Fragen zu formulieren. „Wie groß sind Sie eigentlich, Frau Kullat?“,
wollte ein Mädchen wissen, „Was ist Fleischnikotin?“, fragte sie ein Junge. Und „Wie machen Sie das überhaupt mit dem Schreiben“, wandte sich ein dritter an Johanna Hansen.
Sonntag, 12. Januar 2020
Schriftsteller und Mitbegründer der Gesellschaft für Literatur in NRW e.V. Josef Reding starb am 10. Januar 2020 in Dortmund
Als
ich in diesem Jahr einer 95jährigen Dame Weihnachtsgrüße schicken wollte - sie hatte
sich Geschenke ausdrücklich verbeten - überlegte ich, was ich ihr schreiben
könnte. Sie hatte ein schweres Jahr hinter sich, in dem ihre Tochter, die sich
bislang um sie kümmerte, selbst erkrankt war. Es sah so aus, als ob dieses
Weihnachtsfest gänzlich anders verlaufen sollte als die vielen Jahre zuvor. Ich
wollte ihr gute Worte schenken und
überlegte, dass ich sicherlich bei Josef Reding fündig werden würde. So schlug
ich seinen Band „Kein Platz in kostbaren Krippen auf“ und wählte keine
Kurzgeschichte aus, sondern den Schlussteil: „Statt eines Nachworts: Lebte
Jesus nur ein paar Stunden?“
Abonnieren
Posts (Atom)






