Henrik
Achten, 25 Jahre alt, hat gerade in Leipzig seinen Bachelor of
Arts in Germanistik beendet und freut sich, nun für drei Monate bei der
Organisation, Recherche und Hintergrundarbeit von postpoetry.NRW mithelfen zu dürfen. Nachdem er 2010, im ersten Jahr
des Projekts, zu den Nachwuchspreisträgern gehörte, NRW dann allerdings für das
Studium Richtung Osten verließ, hat er über die
Jahre hinweg immer wieder einen oder auch zwei Blicke auf die folgenden
(Nachwuchs-) PreisträgerInnen geworfen und dabei festgestellt, dass postpoetry in vielerlei Hinsicht stetig
größer wurde. Darüber, wie das Projekt im Speziellen, aber auch der
Literaturbetrieb im Allgemeinen in dieser Hinsicht funktioniert, wird er sich
ab jetzt selbst ein Bild machen und hoffentlich einiges zu postpoetry beitragen können.
Mittwoch, 6. April 2016
Dienstag, 5. April 2016
Die Vielfalt im Gedicht und die Vielfalt der Lesarten
Zur Anthologie „postpoetry.NRW – Poesiebotschaften aus fünf
Wettbewerbsjahren“, hrsg. von Monika Littau, Düsseldorf (Edition Virgines) 2015
Von Karin
Posth
Im Dezember 2015
erschien im Düsseldorfer Verlag „Edition Virgines“ die 180 Seiten starke
Anthologie „postpoetry.NRW - Poesiebotschaften aus fünf Wettbewerbsjahren“.
Versammelt sind in diesem Band die Preistexte des nordrhein-westfälischen
Wettbewerbs aus den Jahren 2010 bis 2014, ergänzt um einen sogenannten
„Zugang“, d. h. einem Auszug aus der Laudatio der jeweiligen Jury. Der Band
bietet auch weitere Texte der Autorinnen und Autoren sowie Kurzbiobibliografien
und Fotos.
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Hat nicht Michael
Krüger die Vielfalt im Gedicht gelobt und zugleich empfohlen, täglich Gedichte
zu lesen? An dieser vielfältigen Anthologie hätte er vermutlich seine Freude,
und die Herausgeberin Monika Littau scheint das tägliche Gedichtelesen offenbar
auch Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern ans Herz legen zu
wollen, denn sie nennt diese Sammlung „Ein Lesebuch“.
Das
Projekt postpoetry.NRW, getragen von der Gesellschaft für Literatur in NRW e.
V. und weiteren Partnern, zeichnet seit
2010 jährlich fünf Gedichte von Lyrikerinnen und Lyrikern aus sowie fünf Gedichte von
Nachwuchsautorinnen und -autoren (im Alter von 15 bis 21 Jahren). Der Wettbewerb will die Lyrikszene in NRW und die Zusammenarbeit von
erfahrenen Lyrikerinnen und Lyrikern mit Nachwuchsautorinnen und -autoren
fördern. Unterstützt wird postpoetry.NRW vom Kulturministerium des Landes (MFKJKS) und der Kunststiftung NRW. Einzureichen
sind von den Bewerbern drei anonymisierte, unveröffentlichte Gedichte. Über die Textauswahl entscheiden zwei Jurys. Durch die jährlich wechselnde
Zusammensetzung hat sich in diesem Projekt keine Monokultur breitmachen können.
Hier wird bewusst Vielfalt gepflegt, veröffentlicht, verbreitet und
unterstützt: Die ausgewählten Texte erscheinen als künstlerisch gestaltete Postkarten (Auflage
20.000), die Verfasser der Texte erhalten ein „ordentliches“ Preisgeld.
Jungautoren und ältere Erfahrene tauschen sich in einem Workshop aus und lesen anschließend im Tandem in NRW. Bei aller Vielfalt haben jedoch
Texte, die nicht postkartentauglich, d. h. zu lang sind, keine Chance im
Wettbewerb. Diesen Hinweis würde man sich übrigens in zukünftigen Ausschreibungen wünschen!
Aber zurück zur Anthologie, die die verschickte und oft
weit gereiste Postkartenpoesie aus fünf Jahren nun zwischen zwei Deckeln zu
sichern weiß: eine Entdeckungsreise durch die Sprache, durch Bilder, Klang und
Rhythmus, durch die Fülle der lyrischen Erscheinungsformen.
Freitag, 1. April 2016
Mittwoch, 23. März 2016
"wo der polarstern steht"...
Zum
ersten Mal war postpoetry.NRW zu Gast in Essen (Jugendbibliothekszentrum
Schonnebeck). Es lasen Willi Achten (links) und Sarah Marie Meinert (rechts). Letztere war
kurzfristig für Sascha Nikolskyy eingesprungen.
Willi Achten stellte welthaltige
kritische Lyrik vor, die ihre Impulse u. a. von aktuellen und historischen Themen sowie Reisen
erhielten.
Hier ein kurzer Auszug aus einem Gedicht, das die Lebenssituation von Frauen an der mexikanischen Grenze zu den USA thematisiert:
Grenzgänger
Der Griff in dein Haar, das Blaulicht heult, die
Frauen voll Zauber Pulver- säckchen unter den Achseln und im Darm, wenn der
Verschluss sich löst
dämmern wir in der Luft unter dem Gesang der
Überlandleitung in den Wärmebildern vor der Ausfallstraße, sie meinen uns…
Sarah
Marie Meinert machte deutlich, wie es ihr mit Hilfe der Lyrik gelingt, sich auszurichten
und Orientierung zu finden.
Polarstern
wenn
ich nur
mit sicherheit wüsste
wo der polarstern steht
in mir wohin mich mein morgen-
sterndenken führt
welche linie
die ich zu sternbildern ziehe
sich nicht an nichts-
mit sicherheit wüsste
wo der polarstern steht
in mir wohin mich mein morgen-
sterndenken führt
welche linie
die ich zu sternbildern ziehe
sich nicht an nichts-
schritte zu wagen schritte
Herzlichen
Dank an die Stadtbibliothek Essen für die Organisation und Ausrichtung der
Veranstaltung und an das interessierte junge Publikum der Gustav-Heinemann-Gesamtschule
für seine Aufmerksamkeit.
Mittwoch, 9. März 2016
Essen, 17. März 2016, 10 Uhr
Willi Achten, Lyriker aus Aachen, und Sascha Nikolskyy, Nachwuchsautor aus Bonn, beide postpoetry.NRW-Preisträger 2015, sind am 17. März zu Gast in Essen. Durch die Veranstaltung führt Monika Littau.
Willi Achten, (geb. 1958 in Mönchengladbach) studierte Germanistik und Sonderpädagogik in Bonn und Köln und wurde Lehrer in Aachen. Seit den frühen neunziger Jahren arbeitet er auch als Schriftsteller. Nach einem erfolgreichen Gedichtband, für den er den Düsseldorfer Lyrikpreis erhielt, veröffentlichte er zahlreiche Romane: Ameisensommer wurde mit dem Diotima Literaturpreis und dem Dormagener Federkiel ausgezeichnet. Zuletzt erschien Die florentinische Krankheit.
Jüngste
Veröffentlichungen von Lyrik finden sich in Zeitschriften und Anthologien. Für
seine literarischen Arbeiten erhielt er Stipendien und Preise, zuletzt ein
Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen und den Nettetaler
Literaturpreis.
Sein Lesungspartner ist der 1993
in der Ukraine (Charkiv) geborene Sascha
Nikolskyy. Im Alter von 10 Jahren kam er nach Deutschland, wo er zunächst
in Köln und heute in Bonn lebt und derzeit Mathematik studiert. Seit seinem 18.
Lebensjahr schreibt er lyrische Texte. Im postpoetry-Wettbewerb
wurde er für sein Gedicht „11 Jahre“ ausgezeichnet.
Moderiert
wird die Lesung von der Bonner Autorin und Initiatorin des Projektes Monika Littau.
17. März
2016, 10 Uhr, Stadtbibliothek Essen/Jugendbibliothekszentrum Schonnebeck,
Schonnebeckhöfe 58-64, 45309 Essen
postpoetry.NRW ist ein Projekt der Gesellschaft für
Literatur in NRW e.V. in Kooperation mit dem Verband deutscher Schriftsteller
NRW. Es wird unterstützt vom Kulturministerium (MFKJKS) und der Kunststiftung
NRW.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Stadtbibliothek
Essen statt.
Freitag, 4. März 2016
Das Kulturbüro Wuppertal präsentiert: postpoetry.NRW im Internetportal der Stadt
Weiter zum vollständigen Artikel:
https://www.wuppertal.de/kultur-bildung/kulturbuero/projekte/102370100000688729.php
Donnerstag, 3. März 2016
"Es ist still.Wir sind auf Sendung" - Lesung in Wuppertal, 2. März 2016
In
einer konzentrierten Atmosphäre „sendeten“ Adrian Kasnitz, Lyriker aus Köln,
und Jing Wu, Nachwuchsautorin aus Dortmund/München, gestern in der
Stadtbibliothek Wuppertal ihre Poesiebotschaften. Lyrische Verfahren und Texte markierten
die Weite gegenwärtigen Lyrikschaffens. Wie das anschließende Gespräch zeigte,
hatten sie ihre „Adressaten“, circa 80 Schülerinnen und Schüler der
Gesamtschule Langerfeld und der Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule erreicht und für
sich eingenommen.
Adrian
Kasnitz las noch druckfrische Texte seines „Kalendariums # 2“. Sie gehören zu
einem großen Gesamtprojekt von zwölf Veröffentlichungen. Monatsweise sind die
Tagesgedichte zusammengebunden. Der Februar mit 29, d.h. einem Schaltjahr entsprechenden
Tagen, bot durchaus nicht nur jahreszeitliche Bezüge wie Schnee, gefrorenes
Gras und Karneval. Im Kern offenbarte sich ein fast schwebendes Tasten nach
Gedanken, Wörtern, Silben, Vokalen, eine ständige Veränderung und Auflösung,
ein Changieren zwischen Innen- und Außenwelt.
Deutlich
handfester dagegen waren die Themen der jungen, gebürtig aus China stammenden
Jing Wu. Ihre Gedichte suchten nach Standpunkten, nach Wahrheiten, nach Grenzen,
aber auch nach ihrer Überschreitung. Sie begann mit einem Poetry-Slam-Text, in
dem sie ihre Lebensgeschichte und ihren Weg zum Schreiben gekonnt thematisierte.
Die Erfahrung, aus einem anderen kulturellen Kontext nach Deutschland zu kommen
und sich schreibend seinen Weg zu suchen, sprach das junge Auditorium an. Eine
ganze Reihe der Anwesenden dürfte ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Selbst die
Leiterin der Stadtbibliothek, Frau Scharmann, überzeugte Jing Wu mit ihrem
Text, da er auch die besondere Bedeutung von Bibliotheken thematisierte.
Jürgen
Nendza, Lyriker aus Aachen, stellte die beiden Autoren vor, zog sie und das
Publikum in ein anregendes Gespräch.
So
war es am Ende der Veranstaltung durchaus nicht mehr still. Die „sendenden“
Lyriker hatten die Gäste zu empfänglichen Hörern gemacht, vielleicht auch zu
Lesern, die nun häufiger zu einem Gedicht greifen oder gar selbst eines
verfassen.
Die
Anschlussveranstaltung im Rahmen von postpoetry.NRW 2015 wurde möglich durch
die Unterstützung des Kulturbüros der Stadt Wuppertal.
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