Freitag, 13. November 2015

Preisträger postpoetry.NRW 2015

Willi Achten stammt gebürtig aus Mönchengladbach und lebt heute in Aachen. Er ist Lyriker und Romanautor. Zuletzt erschien von ihm "Die florentinische Krankheit" (Roman). Für seine Arbeiten erhielt er viele Unterstützungen und Auszeichnungen, zuletzt den Nettetaler Literaturpreis.  

Laudatio der Jury
Willi Achten entwirft in seinem Gedicht „Dahinter das Meer“ kühne surreale Bilder, die den Leser in seinen Bann ziehen. Das Gedicht kommt fast ohne Interpunktion aus. Die Enjambements und die klanglichen Elemente geben dem Text eine zusätzliche Spannung. Der Leser muss sich die Sinneinheiten selbständig erschließen.
Da ist die Mutter, die spricht. Sie sagt „niemand war im Himmel/ wenn die Uhr tickt kehrt keiner/ zurück“. Dabei schneidet sie die Töne aus den Wänden und wohnt hinter einem Vorhang, wo sie ihre Knochen an einer Feile reibt. Das Knochenmehl fällt in ein weißes Tuch, während sie ihren einzigen Schuh bindet.
Die Mutter ruft ihren Sohn zurück zu sich nach Hause. Und während sie ihn ruft, eröffnet sie ihm, dass sie Sand in die Dünen gekehrt hat.

Es wird viel versteckt in diesem Gedicht, hinter Wänden und Vorhängen. Man ahnt die Abgründe. Doch mit dem Knochenmehl, dem weißen Tuch und dem Sand in den Dünen wird etwas sichtbar. Dahinter wartet das Meer für einen Blick ins Offene.

Lyrikerinnen und Lyriker 2015 - die Postkarten

(Grafik: Galya Popova, Layout: Walburga Fichtner)

Nachwuchs 2015 - die Lyrikpostkarten

(Grafik: Galya Popova, Layout: Walburga Fichtner)





Donnerstag, 12. November 2015

Publikumspreis 2015


Der Publikumspreis 2015 ging an den Nachwuchsautor Giuliano Francesco Spagnolo.

Er wurde 1994 in Luino (Italien) geboren. Im Jahr 2000 zog er mit seiner Familie nach Deutschland. Derzeit lebt und studiert er Köln. Erste Gedichte veröffentlichte er im vergangenen Jahr in der Anthologie "Mein wilder Kampf gegen die Angst" (elifverlag).












Zu seinem Gedicht, äußerte sich die junge Jury wie folgt:

Ausgangspunkt des Gedichtes von Giuliano Francesco Spagnolo ist ein nicht näher bezeichneter Schmerz, dem „bleiche“ beigemischt ist.  Das so dargestellte Abklingen des Leids, seine Transformation, vollzieht sich vor dem Hintergrund einer Sonne, die nicht Wärme bringt, sondern  „fröstelt“. Ihre übliche Wirkweise ist außer Kraft gesetzt, ja ins Gegenteil verkehrt. 
Auch die folgende Zeile widmet sich dem Verhältnis von Vordergrund und Hintergrund („die felder waren nur vordergründig mit blüten betupft“). Wir werden Zeuge eines Transformationsprozesses, der in die Gegenwart führt und durch eine „geweißt(e)… leinwand“ charakterisiert wird, eine Freifläche, die „auf abruf bereit“ steht.
Auf ihr entsteht eine „neue“, nicht näher bezeichnete „landschaft“, die nicht mehr trennt zwischen Vorder- und Hintergrund, sondern sich von der Mitte aus entwickelt. Nicht das Äußere begrenzt das Bild, sondern das Bild bestimmt seinen Rahmen, seine Grenzen, die „rahmenlängen“.

Im umrissenen Bildraum Natur - Malerei gelingt es dem Autor, eine Metapher für die Entwicklung des nur spärlich angedeuteten lyrischen Ichs, seiner Genesung und seines Neuanfang zu zeichnen. Hier findet in gelungener Weise eine Verortung in der Mitte, eine „neumessung“ statt. Giuliano Francesco Spagnolo legt uns nahe, dass „Die Vermessung der Welt“ nie abgeschlossen ist, sondern sich immer wieder neu vollzieht, justiert, ja transformiert. 

Mittwoch, 11. November 2015

postpoetry.NRW 2015: die Preisverleihung in Bonn

Ein Rückblick von Gerrit Wustmann

Am 7. November fand in der Bonner Zentralbibliothek im gerade neu eröffneten Haus der Bildung vor vollem Saal die diesjährige, sechste postpoetry.NRW-Preisverleihung statt. Einmal mehr wurden fünf etablierte und fünf Nachwuchs-Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet und erstmals öffentlich die neuen Lyrikpostkarten präsentiert, die hoffentlich in den nächsten Wochen und Monaten vielfach durchs ganze Land und auch über die Grenzen hinweg versendet werden.

Grenzüberschreitende sind übrigens auch die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger nicht nur im übertragenen Sinne. Die Hälfte von ihnen ist nicht in Deutschland geboren, sondern in Polen, Luxemburg, China, Italien und der Ukraine und somit in die deutsche Sprache mit dem Reichtum anderer sprachlich-kultureller Zusammenhänge „eingewandert“.

Durch den Abend geleiteten die Schriftsteller Monika Littau und Jürgen Nendza. Musikalisch ergänzt wurden die Wortbeiträge vom Klezmerduo Brinkmann & Spehl.

Die Moderatoren sprachen mit den zehn Dichterinnen und Dichtern über ihre Arbeit, aber auch über Einflüsse und ganz persönliche Sichtweisen auf die Lyrik, bevor diese ihre Texte vortrugen. Mit Guy Helminger, Adrian Kasnitz, Willy Achten und Thomas Kade gab es dabei interessante Einblicke von Künstlern, die längst über NRW weit hinaus Erfolge feiern konnten – während Karin Posth erst seit kurzer Zeit in der Literaturszene präsent ist. Das zeigte einmal mehr den Charakter eines anonymen Wettbewerbs: Hier haben Autorinnen und Autoren unabhängig von der bereits erreichten Reputation eine gleichberechtigte Chance.
Willi Achten, Guy Helminger, Thomas Kade, Adrian Kasnitz, Karin Post (von l. nach r.)
Auch die Nachwuchsautorinnen und -autoren Charlotte Dresen, Sarah Marie Meinert, Sascha Nikolskyy, Giuliano Francesco Spagnolo und Jing Wu bewiesen Talent und lyrischen Atem.
Der diesjährige Publikumspreis ging an den heute in Köln lebenden, gebürtig aus Lino (Italien) stammenden Giuliano Francesco Spagnolo für sein Gedicht „neumessung“.
Charlotte Dresen, Sarah Marie Meinert, Sascha Nikolskyy, Giuliano Francesco Spagnolo, Jing Wu (von l. nach r.)
Wie gut die Preisträgerinnen und Preisträger untereinander ins Gespräch kamen, zeigte sich bereits am Montag nach der Preisverleihung: Die Nachwuchspreisträger Charlotte Dresen und Giuliano Francesco Spagnolo traten im von Adrian Kasnitz geleiteten Literaturklub in Köln bei einer gemeinsamen Lesung mit dem Schriftsteller Stefan Heuer auf.

Und es gibt weitere Veranstaltungen Anfang kommenden Jahres, jeweils im Tandem: Lyriker – Nachwuchsautor. Bis dahin soll das Textrepertoire der jungen Autorinnen und Autoren erweitert und überarbeitet werden. Für die Zusammenarbeit in den kommenden Monaten wünsche ich Erfolg und bin besonders gespannt auf den weiteren Weg der Nachwuchsdichterinnen und -dichter.



Dienstag, 13. Oktober 2015

Einladung zur Lesung und Preisverleihung

Zum 6. Mal werden im Lyrikwettbewerb postpoetry.NRW die Preistexte und ihre Autorinnen und Autoren ausgezeichnet. 

Alle Preisträgerinnen und Preisträger leben heute in Nordrhein-Westfalen. Ihre biografischen Wurzeln haben sie jedoch nicht nur in Deutschland, sondern in China, Italien, Luxemburg, Polen, Tschechien und der Ukraine. 

Vorgestellt werden junge Dichterinnen und Dichter, die sich in poetischen Ausdrucksweisen erproben, aber auch arrivierte Lyrikerinnen und Lyriker.

Die Gäste des Abends sind aufgefordert  zu entscheiden, wer 2015 den Publikumspreis der Nachwuchsautoren erhält.

Zur kostenlosen Mitnahme bereit liegen die diesjährigen Lyrikpostkarten.  Lesungen und Gespräche des kurzweiligen Abends begleitet das Duo Brinkmann & Spehl (Klezmer) musikalisch.  

Dienstag, 22. September 2015

Glückwunsch an die Preisträgerinnen und Preisträger im Lyrik-Wettbewerb postpoetry.NRW 2015

In den vergangenen Wochen gingen bei der Gesellschaft für Literatur in Münster hunderte Gedichte von Lyrikerinnen und Lyrikern sowie Nachwuchsautorinnen und -autoren aus Nordrhein-Westfalen ein. Es handelte sich um anonyme Bewerbungen für den diesjährigen Wettbewerb postpoetry.NRW, den die Gesellschaft zusammen mit dem Verband deutscher Schriftsteller in Nordrhein-Westfalen zum sechsten Mal ausgeschrieben hatte. Unterstützt wird der Wettbewerb vom Kulturministerium (MFKJKS) sowie von der Kunststiftung NRW. Das Preisgeld beläuft sich insgesamt auf 8.450 €. Ausgeschrieben wurde in zwei Kategorien: für Lyriker und für Nachwuchsautoren des Landes.

Die Jury „Lyriker NRW“ (Michael Braun, Kritiker, Heidelberg; Dr. Almuth Voß, Literaturwissenschaftlerin/Literaturhaus Bonn, Hartwig Mauritz, Lyriker, Vaals, NL/Aachen) wählte folgende Texte und Preisträgerinnen und Preisträger aus:
  
  • „Dahinter das Meer“ von Willi Achten (geb. in Mönchengladbach/Aachen)
  • „Ich war noch nie in Tokio“ von Guy Helminger (geb. in Esch, Alzette,  Luxemburg/Köln)
  •  „Zellmitteilung“ von Thomas Kade (geb. in Halle/Dortmund)
  •  „Skelett“ von Adrian Kasnitz (geb. in Queetz, Polen/Köln)
  • „auf der reise zu sich“ von Karin Posth (geb. in Marienbad/Köln)
Bereits zurvor tat die "Junge Jury" (Anna Reiter, Vorjahrespreisträgerin, Bonn/Mainz; Jenny Weiß, Vorjahrespreisträgerin, Bonn, und Monika Littau, Autorin und Projektleiterin, Bonn) zusammen und wählte folgende Preistexte und Preisträgerinnen und Preisträger in der Kategorie "Nachwuchs NRW" aus: 

  • „SchokoKüsse zum Frühstück“ von Charlotte Dresen, Jg. 1995 (geb. in Hamburg/Köln)
  • „Fast ein Liebesbrief“ von Sarah Marie Meinert, Jg. 1995 (geb. in Lemgo/ Oerlinghausen)
  • „neumessung“ von Giuliano Francesco Spagnolo, Jg. 1994 (geb. in Lino, Italien/Köln)
  • „11 Jahre lang konnt ich“ von Sascha Nikolskyy, Jg. 1993 (geb. in Charkiv, Ukraine/Bonn)
  •  „katzengold“ von Jing Wu, Jg. 1995 (geb. in Tianjin, China/Dortmund 
Wir gratulieren allen Autorinnen und Autoren herzlich.